Rinus Michels war sicherlich einer der besten Trainer, die je beim 1. FC in Diensten standen. Wie kaum ein anderer vermochte er ein Spiel zu lesen und anschließend zu analysieren. Nach Niederlagen suchte er die Schuld nie bei einem Spieler. "Es war mein Fehler, daß ich..." - er konnte sich Selbstkritik leisten, weil er wußte, daß kein ernstzunehmender Fußball-Experte an seiner Fachkompetenz zweifelte. Der Holländer, ein hundertprozentiger Profi, verlangte viel von seinen Spielern, zuweilen mehr als diese zu leisten imstande waren. Und er machte keine Unterschiede zwischen den Robusten, die zehn Runden um den Decksteiner Weiher laufen konnten, und beispielsweise dem kleinen Pierre Littbarski, der - aus welchen Gründen auch immer - schon nach einer Runde die Lauflust verlor. Es waren sein hoher Leistungsanspruch und seine Härte, die ihn allmählich zum Außenseiter im Club machten. Und eines Tages hieß es, dieser "drööge Pitter" passe nicht zur rheinischen Mentalität. Es freute ihn, daß Harald "Toni" Schumacher in der kritischen Zeit zu ihm hielt; doch eines Tages hatte er von den Kritikern, zu denen zunehmend auch die Athleten gehörten, genug und kündigte; drei Monate nachdem er sich den 1:0-Erfolg im DFB-Pokalfinale gegen den SC Fortuna Köln hatte gutschreiben können.